Du fragst dich, welche Werte bei deiner Outdoor- oder Sportbekleidung wirklich zählen, wenn es um Tragekomfort und Performance geht? Atmungsaktivität ist entscheidend, doch die Kennzahlen RET und MVTR können verwirrend sein. Lerne, was diese Werte aussagen und wie du sie für deine Auswahl optimal nutzt.
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Atmungsaktivität bei Kleidung: Was bedeutet das wirklich?
Atmungsaktivität beschreibt die Fähigkeit eines Materials, Wasserdampf – also deinen Schweiß in Form von unsichtbarem Dampf – von der Haut nach außen zu transportieren. Eine gute Atmungsaktivität ist essenziell, um Überhitzung während körperlicher Aktivität zu vermeiden und ein angenehmes Tragegefühl zu gewährleisten. Wenn Kleidung nicht atmet, staut sich Feuchtigkeit, was zu Auskühlung nach der Belastung und einem klammen Gefühl führt.
Der RET-Wert: Wie gut lässt deine Kleidung Luft durch?
Der RET-Wert (Resistance to Evaporative Heat Transfer) misst den Wasserdampfdurchgangswiderstand eines Textils. Je niedriger der RET-Wert, desto besser kann der Wasserdampf durch das Material entweichen und desto atmungsaktiver ist die Kleidung. Dieser Wert wird in einem Labor unter standardisierten Bedingungen ermittelt.
Die Interpretation des RET-Wertes:
- Unter 6 RET: Sehr hohe Atmungsaktivität. Ideal für intensive sportliche Aktivitäten bei warmem Wetter, wie Laufen, Radfahren oder Bergsteigen unter starker Belastung.
- 6–13 RET: Gute Atmungsaktivität. Geeignet für moderate Aktivitäten, wie Wandern, Trekking oder Skitouren bei wechselnden Bedingungen.
- 13–20 RET: Durchschnittliche Atmungsaktivität. Ausreichend für leichtere Aktivitäten, wie Spaziergänge oder den Alltag.
- Über 20 RET: Geringe Atmungsaktivität. Diese Materialien sind oft eher wasserdicht, aber schlecht atmungsaktiv und für schweißtreibende Aktivitäten ungeeignet.
Es ist wichtig zu verstehen, dass der RET-Wert primär den Widerstand gegen den Transport von Wasserdampf misst. Er gibt also an, wie viel Energie (Wärme) benötigt wird, um den Wasserdampf durch das Material zu transportieren. Ein niedriger RET-Wert bedeutet geringen Widerstand und somit gute Atmungsaktivität.
Der MVTR-Wert: Wie viel Feuchtigkeit kann transportiert werden?
Der MVTR-Wert (Moisture Vapor Transmission Rate) gibt an, wie viel Wasserdampf in Gramm innerhalb von 24 Stunden durch einen Quadratmeter Stoff diffundieren kann. Hier gilt: Je höher der MVTR-Wert, desto atmungsaktiver ist das Material. Auch dieser Wert wird unter Laborbedingungen gemessen.
Die Interpretation des MVTR-Wertes:
- Über 20.000 g/m² pro 24h: Sehr hohe Feuchtigkeitsdurchlässigkeit. Hervorragend für extreme sportliche Beanspruchungen und schweißtreibende Aktivitäten.
- 10.000–20.000 g/m² pro 24h: Gute Feuchtigkeitsdurchlässigkeit. Gut geeignet für anspruchsvolle Outdoor-Aktivitäten.
- 5.000–10.000 g/m² pro 24h: Moderate Feuchtigkeitsdurchlässigkeit. Angemessen für den alltäglichen Gebrauch oder leichtere sportliche Betätigungen.
- Unter 5.000 g/m² pro 24h: Geringe Feuchtigkeitsdurchlässigkeit. Diese Materialien sind in der Regel nicht für Aktivitäten gedacht, bei denen stark geschwitzt wird.
Der MVTR-Wert gibt dir eine quantitative Angabe darüber, wie viel Feuchtigkeit das Material tatsächlich aufnehmen und nach außen transportieren kann. Er ist besonders relevant, wenn du weißt, dass du stark schwitzen wirst.
RET vs. MVTR: Welcher Wert ist aussagekräftiger?
Beide Werte, RET und MVTR, messen Aspekte der Atmungsaktivität, aber aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Der RET-Wert ist ein Maß für den Widerstand, der überwunden werden muss, um Feuchtigkeit zu transportieren. Der MVTR-Wert ist ein Maß für die Rate des Feuchtigkeitstransports. Beide sind wertvoll und ergänzen sich.
Für Sportler und Outdoor-Enthusiasten, die ihre Leistung und ihren Komfort maximieren wollen, ist es oft am besten, beide Werte im Auge zu behalten. Ein sehr niedriger RET-Wert (z.B. unter 6) in Kombination mit einem hohen MVTR-Wert (z.B. über 20.000 g/m²/24h) deutet auf ein hochtechnisches, atmungsaktives Material hin, das sowohl bei intensiver Anstrengung als auch bei wechselnden Bedingungen exzellente Dienste leistet.
Weitere Faktoren für die Atmungsaktivität
Neben den reinen Messwerten spielen auch andere Faktoren eine Rolle für die gefühlte Atmungsaktivität und die Performance deiner Kleidung:
- Materialzusammensetzung: Naturfasern wie Merinowolle haben von Natur aus gute feuchtigkeitsregulierende Eigenschaften, während synthetische Fasern wie Polyester oft so konzipiert sind, dass sie Feuchtigkeit schnell von der Haut wegleiten.
- Konstruktion des Gewebes: Die Webart, die Dicke und die Struktur des Gewebes beeinflussen, wie gut Dampf entweichen kann. Belüftungsöffnungen oder Netzeinsätze können die Atmungsaktivität zusätzlich erhöhen.
- Imprägnierung und Membran: Bei wasserdichten und winddichten Kleidungsstücken kommen oft Membranen zum Einsatz. Die Qualität und Technologie dieser Membranen bestimmen maßgeblich deren Atmungsaktivität. Eine PU-Beschichtung ist in der Regel weniger atmungsaktiv als eine PTFE-Membran (wie z.B. Gore-Tex).
- Oberflächenbehandlung: DWR-Behandlungen (Durable Water Repellent) auf der Außenseite sorgen dafür, dass Wasser abperlt und das Gewebe nicht vollsaugt. Wenn das Gewebe durchnässt ist, sinkt die Atmungsaktivität erheblich.
- Passform und Bekleidungssystem: Eine gut sitzende Kleidung, die nicht zu eng ist, lässt Luft besser zirkulieren. Auch das Zwiebelprinzip, bei dem mehrere Schichten übereinander getragen werden, beeinflusst den Feuchtigkeitstransport. Die innerste Schicht sollte Feuchtigkeit gut von der Haut wegtransportieren, die mittleren Schichten isolieren und die äußerste Schicht vor Wettereinflüssen schützen, aber dennoch atmen.
Die Bedeutung von Atmungsaktivität in verschiedenen Sportarten und Aktivitäten
Die Anforderung an die Atmungsaktivität variiert stark je nach Aktivität und Intensität:
- Extremsportarten (z.B. Bergsteigen, Klettern, Trailrunning): Hier sind höchste Atmungsaktivitätswerte (niedriger RET, hoher MVTR) unerlässlich, um den Körper auch bei maximaler Anstrengung kühl und trocken zu halten.
- Ausdauersportarten (z.B. Laufen, Radfahren, Skilanglauf): Bei diesen Aktivitäten ist die kontinuierliche und hohe Schweißproduktion zu erwarten. Eine gute bis sehr gute Atmungsaktivität ist entscheidend, um Leistungsabfall durch Überhitzung zu vermeiden.
- Wandern und Trekking: Hier können die Bedingungen wechseln. Eine moderate bis gute Atmungsaktivität ist wichtig, um sich auch bei Anstiegen wohlzufühlen und bei längeren Touren nicht auszukühlen.
- Wintersport (z.B. Skifahren, Snowboarden): Auch hier ist Atmungsaktivität wichtig, um die Feuchtigkeit vom Körper wegzuleiten und ein Auskühlen zu verhindern, besonders wenn man ins Schwitzen gerät. Zusätzlicher Schutz vor Wind und Kälte ist hierbei ebenso entscheidend.
- Alltagsgebrauch: Für den täglichen Gebrauch sind die Anforderungen oft geringer, dennoch kann auch hier eine gewisse Atmungsaktivität für mehr Komfort sorgen, besonders bei wechselhaftem Wetter.
So wählst du die richtige Kleidung basierend auf RET und MVTR
Beim Kauf von Funktionsbekleidung solltest du folgende Punkte berücksichtigen:
- Identifiziere deine Hauptaktivität: Wofür benötigst du die Kleidung primär? Eine intensive Laufeinheit stellt andere Anforderungen als eine gemütliche Wanderung.
- Prüfe die Herstellerangaben: Schaue auf die Produktetiketten oder die Produktbeschreibungen im Online-Shop. Viele Hersteller geben RET- oder MVTR-Werte an.
- Verstehe die Klassifizierung: Nutze die oben genannten Richtwerte für RET und MVTR, um die Angaben zu interpretieren.
- Berücksichtige das Wetter: Bei sehr kaltem Wetter kann eine etwas geringere Atmungsaktivität bei gleichzeitiger hoher Wind- und Wasserdichtigkeit sinnvoll sein, um den Wärmeverlust zu minimieren. Bei warmem Wetter ist Atmungsaktivität oft wichtiger als absolute Wasserdichtigkeit.
- Lesen von Testberichten: Unabhängige Tests und Nutzerrezensionen können wertvolle Einblicke in die tatsächliche Performance von Kleidungsstücken geben, die über die reinen Zahlen hinausgehen.
Zusammenfassung der Kernpunkte
| Kategorie | Erklärung | Relevanz | Interpretation |
|---|---|---|---|
| RET-Wert | Wasserdampfdurchgangswiderstand | Je niedriger, desto besser atmet die Kleidung. | <6: Sehr gut, 6-13: Gut, >13: Durchschnittlich bis gering. |
| MVTR-Wert | Rate der Feuchtigkeitsdampfdurchlässigkeit (g/m²/24h) | Je höher, desto mehr Feuchtigkeit kann transportiert werden. | >20.000: Sehr gut, 10.000-20.000: Gut, <10.000: Durchschnittlich bis gering. |
| Kombination | Gegenüberstellung beider Werte | Gibt ein umfassendes Bild der Atmungsaktivität. | Ein niedriger RET und hoher MVTR-Wert sind ideal für anspruchsvolle Aktivitäten. |
| Praktische Anwendung | Auswahl basierend auf Aktivität und Bedingungen | Hilft, die passende Kleidung für den geplanten Einsatzzweck zu finden. | Intensive Sportarten erfordern höhere Werte als Freizeitaktivitäten. |
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FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Atmungsaktivität bei Kleidung: Was RET und MVTR wirklich aussagen
Was ist der Unterschied zwischen RET und MVTR?
Der RET-Wert misst den Widerstand eines Materials gegen den Durchgang von Wasserdampf. Ein niedriger RET-Wert bedeutet geringen Widerstand und somit hohe Atmungsaktivität. Der MVTR-Wert hingegen gibt an, wie viel Wasserdampf in Gramm pro Quadratmeter und 24 Stunden durch das Material diffundieren kann. Ein hoher MVTR-Wert bedeutet ebenfalls hohe Atmungsaktivität.
Sind hohe MVTR-Werte immer besser als niedrige RET-Werte?
Nicht unbedingt. Beide Werte sind wichtig und beschreiben unterschiedliche Aspekte. Ein Material kann einen hohen MVTR-Wert aufweisen, aber dennoch einen spürbaren Widerstand für den Dampf bieten (mittlerer bis hoher RET-Wert). Idealerweise suchst du nach Kleidung, die einen niedrigen RET-Wert und einen hohen MVTR-Wert kombiniert, besonders für intensive Aktivitäten.
Kann Kleidung sowohl wasserdicht als auch atmungsaktiv sein?
Ja, das ist das Ziel moderner Funktionsbekleidung. Durch den Einsatz von speziellen Membranen und Beschichtungen kann Kleidung Wasser (von außen) abhalten und gleichzeitig Wasserdampf (von innen) entweichen lassen. Die Effektivität dieser Eigenschaften wird eben durch Werte wie RET und MVTR angegeben.
Wie beeinflusst das Zwiebelprinzip die Atmungsaktivität?
Das Zwiebelprinzip nutzt mehrere Schichten, um Feuchtigkeit effektiv vom Körper wegzutransportieren. Die unterste Schicht nimmt den Schweiß auf und gibt ihn an die nächste Schicht weiter, die ihn weiter nach außen transportiert. Wenn alle Schichten atmungsaktiv sind, kann die gesamte Konstruktion die Feuchtigkeitsregulation verbessern, anstatt sie zu behindern.
Sind alle Hersteller transparent bei den RET- und MVTR-Angaben?
Leider nein. Während viele renommierte Hersteller diese Werte für ihre hochwertigeren Produkte angeben, ist dies nicht branchenweit einheitlich. Es lohnt sich, die Produktinformationen genau zu prüfen und gegebenenfalls beim Hersteller nachzufragen, wenn die Angaben fehlen.
Wie wirken sich Schmutz und Waschen auf die Atmungsaktivität aus?
Schmutz, Öle und Schweiß können die Poren einer Membran oder eines Gewebes verstopfen und somit die Atmungsaktivität erheblich reduzieren. Regelmäßiges Waschen gemäß den Pflegehinweisen, oft mit speziellen Reinigern, und das erneute Aufbringen einer DWR-Imprägnierung können die Leistungsfähigkeit deiner Kleidung erhalten.
Gibt es standardisierte Testmethoden für RET und MVTR?
Ja, es gibt standardisierte Testmethoden, wie z.B. die ISO 11092 für den RET-Wert und die ASTM E96 für den MVTR-Wert. Allerdings können die genauen Testbedingungen und Interpretationen von Labor zu Labor leicht variieren, was zu geringfügigen Unterschieden in den angegebenen Werten führen kann.